Mieterstrom und Klimaschutz: Die CO₂-Bilanz im Mehrfamilienhaus

Veröffentlicht
23.09.2026
Aktualisiert
23.09.2026
Autor
Louisa Knoll
Mieterstrom und Klimaschutz: Die CO₂-Bilanz im Mehrfamilienhaus | metergrid

Juni und Juli 2026 waren in Westeuropa so heiß wie nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen: Der Copernicus Climate Change Service der EU misst für Westeuropa einen Durchschnitt von 21,62 Grad. Das sind 2,79 Grad über dem langjährigen Mittel und damit über dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2022. 

Vier Hitzewellen seit Mai, ausgetrocknete Böden, Waldbrände, Hitzetote. Copernicus erkennt in der Ursache eine Rückkopplung: Wenn Böden austrocknen, verlieren sie ihre natürliche Kühlwirkung und die Hitze kann sich umso leichter aufbauen. Europa ist nach Angaben der Europäischen Kommission der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde. Seit den 1980er Jahren erhitzt er sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt.

Der Sommer ist vorbei und wir wollen basierend auf dieser Ausgangslage der Frage nachgehen: Was können wir tun, um den Klimawandel zu entschleunigen? Im Fokus unserer Analyse: Wie können Mehrfamilienhäuser, das Zuhause von knapp 53% der Deutschen, dazu beitragen?

Die Antwort ist überraschend konkret. Das Potenzial liegt auf dem Dach.

Kurz gefasst

  • Rund 45 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen entstehen in der Energiewirtschaft und in Gebäuden. Genau dort wirkt eine Solaranlage auf dem Mehrfamilienhaus. (UBA)
  • Solarstrom verursacht über den gesamten Lebenszyklus rund 33 Gramm CO₂ je Kilowattstunde (Fraunhofer ISE). Der deutsche Strommix lag 2025 bei 344 Gramm (UBA). 
  • In einem Haus mit 20 Wohnungen spart Mieterstrom im Rechenbeispiel rund 7 Tonnen CO₂ pro Jahr – auch dann, wenn nur drei Viertel der Haushalte mitmachen.
  • Rund 28 Prozent des deutschen PV-Ausbauziels bis 2030 liegen auf den Dächern von Mehrfamilienhäusern. Erschlossen ist davon fast nichts. (Ariadne-Projekt / IW Köln)
  • 52,8 Prozent der Menschen in Deutschland wohnen zur Miete, der höchste Wert in der EU. (Statistisches Bundesamt)

Welche Sektoren verursachen in Deutschland die meisten Treibhausgase?

Über kaum ein Thema wird so viel und so ungenau gesprochen wie über die Frage, wer eigentlich wofür verantwortlich ist. Das Umweltbundesamt beantwortet diese in Form von Treibhausgasdaten jedes Jahr. Zuletzt im März 2026 für das Jahr 2025:

Deutschland hat 2025 demnach rund 648,9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente ausgestoßen. Gegenüber 1990 ist das ein Rückgang um 48 Prozent, gegenüber dem Vorjahr allerdings nur noch um 0,1 Prozent. Ein Fortschritt, der stark begann, hat sich inzwischen also fast auf null verlangsamt. Um das gesetzlich verankerte Ziel zur Reduktion von Treibhausgasen bis 2030 noch zu erreichen, müssten die Emissionen nach Berechnung des UBA ab 2026 im Schnitt um 42 Millionen Tonnen pro Jahr sinken. Aufgeteilt nach Sektoren ergibt sich ein klares Bild:

Treibhausgasemissionen in DE 2025 nach Sektoren | Umweltbundesamt Emissionsdaten | metergrid

Zwei Zahlen fallen in den aktuellen Treibhausgasdaten auf. Die Emissionen im Verkehr sind 2025 um 2,1 Millionen Tonnen gestiegen. Und im Gebäudesektor ebenfalls, um 3,4 Millionen Tonnen (UBA). Diese zwei Bereiche, die besonders nah an unserem Alltag liegen, entwickeln sich in die falsche Richtung.

Zudem ist der Rückgang in der Industrie um 5,6 Millionen Tonnen nicht unbedingt als ein Klimaerfolg auszulegen. Das UBA führt ihn auf die schwache Konjunktur zurück, also auf geringere Produktionsmengen in energieintensiven Branchen.

Interessant wird es, wenn man Energiewirtschaft und Gebäude zusammenrechnet: rund 292 Millionen Tonnen, also etwa 45 Prozent aller deutschen Emissionen bilden ein Feld, in dem Solarenergie tatsächlich etwas bewegen kann.

Die Elektrifizierung: warum Strom zur Schlüsselfrage der Energiewende wird

Elektroautos, Wärmepumpen, Rechenzentren: Der Anteil unseres Energiebedarfs, der über Strom gedeckt wird, wächst in alle Richtungen gleichzeitig. 2025 löste die Wärmepumpe die Gasheizung als meistverkaufte Heizungsart ab. 299.000 Geräte wurden verkauft, 55 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch fast jeder fünfte neu zugelassene Pkw fuhr rein batterieelektrisch, 45 Prozent mehr als 2024 (Emissionsdaten des UBA).

Auch Künstliche Intelligenz gehört dazu. Rechenzentren und kleinere IT-Installationen in Deutschland verbrauchten 2025 rund 21,3 Milliarden Kilowattstunden Strom, 2015 war es knapp die Hälfte (Bitkom / Borderstep Institut). Klingt viel, ist aber erstmal kein Grund zur Sorge: Gemessen am gesamten deutschen Bruttostromverbrauch, den die AG Energiebilanzen in ihrem Jahresbericht für 2025 mit 528,4 Milliarden Kilowattstunden ausweist, sind das rund vier Prozent und KI macht davon bislang nur einen kleinen Teil aus.

KI ist also ein realer Wachstumstreiber, aber kein Hauptverbraucher. Der entscheidende Punkt ist ein anderer. Jede zusätzlich benötigte Kilowattstunde muss irgendwo herkommen. Ob sie fossil oder erneuerbar erzeugt wird, entscheidet darüber, ob die Elektrifizierung dem Klima nützt oder schadet.

Und hier sieht es besser aus, als viele denken. Im ersten Halbjahr 2026 stammten 61,8 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Photovoltaik speiste mit 43,2 Terawattstunden so viel ins Netz ein wie nie zuvor (Fraunhofer ISE). Wind und Solar waren 2025 erstmals die beiden führenden Nettostromerzeuger überhaupt, die “Doppelspitze der deutschen Stromversorgung” (Fraunhofer ISE). Auch europaweit lagen Wind und Solar 2025 laut Ember mit 30 Prozent erstmals über der fossilen Stromerzeugung. Mehr dazu findest du in unserem Solar-Jahresrückblick 2025

Wie viel CO₂ verursacht Solarstrom im Vergleich zu Kohle und Netzstrom?

Eine ehrliche Rechnung berücksichtigt nicht nur den Betrieb, sondern den gesamten Lebenszyklus: Rohstoffgewinnung, Modulherstellung, Transport, Montage, Betrieb, Rückbau und Recycling. Genau das macht eine Lebenszyklusanalyse.

Für eine moderne Anlage in Norditalien hat die Internationale Energieagentur im Rahmen ihres Photovoltaik-Programms einen Wert von 25,7 Gramm CO₂-Äquivalent pro Kilowattstunde in einer Lebenszyklusanalyse ermittelt. Das Fraunhofer ISE rechnet diesen Wert in seinem Leitfaden „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland" (Fassung vom 20.08.2026) auf deutsche Verhältnisse um. Wegen der geringeren Sonneneinstrahlung liegt er hierzulande bei etwa 30 bis 35 Gramm.

Dem gegenüber stehen: ein Emissionsfaktor von 1.075 Gramm CO₂ je Kilowattstunde für Braunkohlestrom, den das Fraunhofer ISE auf Basis von UBA-Daten ausweist  und 344 Gramm für den deutschen Strommix, wie ihn das Umweltbundesamt für 2025 berechnet hat.

Solar vs. Fossil Diagramm Frauenhofer ISE | metergrid
Hinweis: Beim Solarwert ist die Herstellung (also der gesamte Lebenszyklus) eingerechnet, bei den fossilen Werten nur die Verstromung. Der Vergleich ist also leicht zugunsten der fossilen Energien verzerrt. Diese schneiden folglich in einem gänzlich akkuraten Vergleich noch schlechter ab.

Das heißt in klaren Worten: Solarstrom ist rund zehnmal klimafreundlicher als der durchschnittliche deutsche Netzstrom und etwa dreißigmal klimafreundlicher als Braunkohlestrom.

Zur Einordnung: 1990 lag der deutsche Strommix inklusive aller Vorketten noch bei 860 Gramm CO₂-Äquivalent je Kilowattstunde, 2024 waren es 427 Gramm (Fraunhofer ISE nach UBA-Daten). Dass er sich halbiert hat, ist zu einem großen Teil das Ergebnis des Ausbaus erneuerbarer Energien.

Verbraucht die Herstellung einer Solaranlage mehr Energie, als sie liefert?

Dieser Einwand hält sich hartnäckig. Er ist widerlegt, und zwar deutlich.

Die energetische Amortisationszeit beschreibt, wie lange eine Anlage laufen muss, um die für ihre Herstellung aufgewendete Energie wieder einzuspielen. Das Fraunhofer ISE kommt auf Basis aktueller Produktionsdaten auf unter 1,3 Jahre für marktübliche Module in Deutschland. Eine etwas konservativere Analyse im Auftrag des Umweltbundesamts, die das ISE im selben Leitfaden zitiert, nennt 1,6 bis 2,1 Jahre.

Dem steht eine Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren gegenüber. Heute wissen wir, dass die Anlage noch deutlich länger halten kann. Eine Studie an 44 qualitätsgeprüften Aufdachanlagen in Deutschland ergab einen durchschnittlichen Leistungsverlust von nur 0,15 Prozent pro Jahr. Der sogenannte Erntefaktor liegt damit bei mind. 11 bis 18 und mehr: Eine Solaranlage liefert über ihr Leben also mindestens das Elffache der Energie, die in sie hineingesteckt wurde. Vorurteil widerlegt.  

Und was ist mit Blackouts?

Kurz und faktisch: In Deutschland hat der Solarausbau die Versorgungssicherheit nicht verschlechtert, sondern verbessert. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur lag die durchschnittliche Nichtverfügbarkeit von Strom je Letztverbraucher 2024 bei 11,7 Minuten und  12,8 Minuten im Jahr 2023. Das Fraunhofer ISE hält in seinem Leitfaden ausdrücklich fest, dass die Versorgungssicherheit parallel zum massiven PV-Ausbau sogar gestiegen ist.

Auch der große Stromausfall auf der Iberischen Halbinsel im April 2025 taugt nicht als Gegenbeleg. Der Abschlussbericht der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E vom 20. März 2026 nennt ein Bündel zusammenwirkender Faktoren und sieht die Schuld vor allem in den Lücken bei der Spannungs- und Blindleistungsregelung. Keine der 17 Empfehlungen lautet, weniger Solar auszubauen. 

Ein Detail, das häufig falsch dargestellt wird: Eine normale Solaranlage liefert bei einem Netzausfall keinen Strom. Die Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 schreibt vor, dass sich netzgekoppelte Anlagen automatisch abtrennen, damit niemand an vermeintlich stromlosen Leitungen zu Schaden kommt. Wer sich im Ernstfall selbst versorgen möchte, braucht zusätzlich einen ersatzstromfähigen Wechselrichter, einen Speicher und eine Umschalteinrichtung. Möglich ist das also durchaus, automatisch passiert es nicht.

Drei Probleme: Warum sauberer Solarstrom heute trotzdem verloren geht

So gut die Bilanz von Photovoltaik auch sein mag, es gibt drei reale Probleme. Und alle drei haben denselben Kern. Die Zahlen dazu stammen aus dem aktuellen Leitfaden des Fraunhofer ISE.

1. Solarstrom wird weggeworfen. 2025 mussten 2,7 Terawattstunden PV-Strom im Redispatch abgeregelt werden, weil das Netz sie nicht dorthin transportieren konnte, wo sie gebraucht wurden. Das sind ganze 3,9 Prozent der öffentlichen PV-Nettostromerzeugung. Beim Windstrom waren es sogar 6,7 Terawattstunden. Sauber erzeugter Strom, der niemanden erreicht.

2. Mittags ist Solar oft kein Geld wert. An sonnigen Tagen produzieren alle Anlagen gleichzeitig, während träge Kohlekraftwerke nicht schnell genug herunterfahren. 2025 lag der Börsenstrompreis in fast 600 Stunden bei null oder darunter. Eingespeister Solarstrom ist dann wertlos, teilweise müssen Anlagen ihre Produktion einstellen.

3. Steigende Netzentgelte. Ein Musterhaushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt 2026 durchschnittlich 37,2 Cent brutto je Kilowattstunde (BDEW-Zahlen, zitiert im Fraunhofer-Leitfaden). Ein erheblicher Teil davon entfällt auf den Transport des Stroms, z.B. auf Leitungen, Umspannwerke und deren Ausbau.

Das eigentliche Nadelöhr ist das Stromnetz: Der Leitungsausbau hält mit dem Zubau von Wind- und Solaranlagen nicht Schritt. Die Bundesregierung will deshalb mit dem sogenannten Netzpaket den Ausbau der Erneuerbaren stärker an den Netzausbau koppeln. Neue Anlagen in überlasteten Netzgebieten sollen bei Abregelung künftig keine Entschädigung mehr erhalten. Die Solarbranche warnt, das komme einem Anschlussverbot gleich und warnt vor einem Ausbremsen des Solarausbaus. 

Der gemeinsame Nenner: Alle drei Probleme entstehen erst, wenn Strom durch das Netz muss. Redispatch, negative Börsenpreise, Netzentgelte, überlastete Netze. Nichts davon existiert für eine Kilowattstunde, die im selben Gebäude erzeugt und verbraucht wird. Je enger das Netz wird, desto wertvoller wird Strom, der dieses gar nicht erst braucht.

Damit ist die Lösung eigentlich ganz logisch. Lokale Energie muss gefördert werden und für alle Menschen zugänglich sein. 

“Ist Solarstrom ein Privileg von Eigenheimbesitzern?”

Diese Frage stellt das Fraunhofer ISE genau so in seinem Leitfaden. Das Institut beantwortet sie mit einem klaren Nein. Mithilfe gemeinschaftlicher Modelle, wie Mieterstrom können auch Mieterinnen und Mieter in Deutschland Zugang zu lokal erzeugter Energie erhalten. Für die Umsetzung von Mieterstrom, so das Institut, seien regulatorische Hürden inzwischen beseitigt und Förderanreize über das EEG, in Form des Mieterstromzuschlags, gesetzt worden.

Der Blick auf die Wohnstruktur zeigt, warum die Frage überhaupt gestellt werden muss. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts vom April 2026 lebten 52,8 Prozent der Menschen in Deutschland im Jahr 2025 zur Miete. Der höchste Wert in der gesamten Europäischen Union. Zum Vergleich: In Frankreich sind es 38,6 Prozent, in Spanien 26,4, in Polen 12,8. Und 83 Prozent der mietenden Haushalte wohnen laut Deutschem Mieterbund in Mehrfamilienhäusern. Über das eigene Dach entscheidet in diesen Fällen jemand anderes.

Gleichzeitig liegt dort einer der größten Hebel für die Energiewende in Deutschland. Die Gebäudehüllen in Deutschland, Dächer und Fassaden zusammen, bieten laut einer Potenzialanalyse ein technisches Potenzial in der Größenordnung von 1.000 Gigawatt. Genutzt werden bislang weniger als zehn Prozent des Dachpotenzials.

Dachpotenzial und Wohnstruktur in Deutschland | Diagramme metergrid

Aber auch Balkonkraftwerke sind ein echter Fortschritt. Ende 2024 waren nach Fraunhofer ISE-Angaben über 780.000 Steckersolargeräte gemeldet, die tatsächliche Zahl dürfte zwei- bis dreimal so hoch liegen. Das ist eine positive Entwicklung, allerdings liefern diese “nur” einige hundert Watt. Eine Dachanlage liefert das Hundertfache.

Für die Lücke dazwischen gibt es vor allem ein etabliertes, gesetzlich verankertes und wirtschaftliches Modell:

Mieterstrom als Lösung: Solarstrom, der nicht durchs Netz muss

Das Prinzip ist schnell erklärt. Auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses entsteht Solarstrom. Statt ihn ins öffentliche Netz einzuspeisen, geht er direkt an die Menschen, die in diesem Haus wohnen. Über die hauseigene Leitung, einige Meter weit. Was übrig bleibt, wird eingespeist. Was fehlt, kommt aus dem Netz.

Rechtlich gibt es dafür zwei etablierte Wege: den klassischen Mieterstrom nach § 42a EnWG mit dem Mieterstromzuschlag und einem gesetzlich gedeckelten Preis von höchstens 90 Prozent des örtlichen Grundversorgungstarifs, sowie die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung nach § 42b EnWG, die jedoch in Deutschland bislang kaum Anwendung findet. 

Seit dem 1. Juni 2026 kommt als neue gemeinschaftliche Variante mit § 42c EnWG das Energy Sharing hinzu. Solarstrom wird hierbei zwar innerhalb einer Energy-Sharing-Community z.B. mit den Nachbarn genutzt, fließt dabei allerdings über das öffentliche Netz, mit allen Netzentgelten. Wir haben diese Modelle an anderer Stelle ausführlich in ihrer Funktionsweise verglichen.

Für die Kernfrage unseres Artikels zählt etwas anderes: die Klimabilanz.

Solarstrom vs. Strommix: Wie viel CO₂ spart eine Solaranlage auf einem Mehrfamilienhaus?

Stellen wir uns zur Veranschaulichung ein Mehrfamilienhaus mit 20 Wohnungen vor. Jeder Haushalt verbraucht im Jahr rund 2.500 Kilowattstunden Strom. Zusammen sind das 50.000 Kilowattstunden.

Ein Jahr Haushaltsstrom in einem 20-Parteien-Haus | metergrid

Käme der gesamte Strom aus Braunkohle, entstünden rund 54 Tonnen CO₂ im Jahr. Mit Strom aus dem deutschen Netz sind es gut 17 Tonnen. Mit Solarstrom nicht einmal zwei Tonnen. Dahinter stehen diese Werte: Braunkohlestrom verursacht 1.075 Gramm CO₂ je Kilowattstunde (Fraunhofer ISE). Strom aus dem deutschen Netz lag 2025 bei 344 Gramm (Umweltbundesamt). Solarstrom kommt über seinen gesamten Lebenszyklus auf rund 33 Gramm (Fraunhofer ISE).

Und wie viel CO₂ spart Mieterstrom in der Praxis?

Die Grafik zeigt den Idealfall: Alle Haushalte beziehen ihren Strom komplett vom Dach. Wendet man dieses Beispiel in der Praxis auf ein Mieterstrom-Haus an, gibt es zwei Einschränkungen.

Erstens nehmen nicht immer alle Bewohnerinnen und Bewohner am Mieterstrommodell teil. Mieterstrom ist immer freiwillig und nicht an den Mietvertrag gekoppelt. In der Ariadne-Studie rechnet das IW Köln in seinem Basisfall mit 75 Prozent Teilnahme. In unserem Beispiel-Haus wären das also 15 von 20 Haushalten. 

Zweitens kann die Solaranlage nicht den ganzen Bedarf decken. Die Sonne scheint vor allem mittags und im Sommer. Abends und im Winter kommt ein Teil des Stroms weiter aus dem Netz. Nach den Annahmen der Ariadne-Analyse deckt die Anlage rund 60 Prozent des Strombedarfs der teilnehmenden Haushalte.

Wie sich das auf die Klimabilanz des ganzen Hauses auswirkt, zeigt die nächste Grafik:

Ein Jahr Haushaltsstrom in einem 20-Parteien Haus mit und ohne Mieterstrom von metergrid
Hinweis: Rechenbeispiel auf Basis der Ariadne-Studie (2.500 kWh je Haushalt, 75 % Teilnahme, rund 60 % Bedarfsdeckung). Der tatsächliche Wert hängt von Standort, Dach und Verbrauchsverhalten ab.

Mit Mieterstrom verursacht der Strom im Haus rund 10,2 Tonnen CO₂ im Jahr, ohne Mieterstrom 17,2 Tonnen. Das sind rund 7 Tonnen weniger. Und das obwohl nicht alle mitmachen und die Sonne nicht immer scheint. Den Solarstrom, den die Bewohner nicht selbst verbrauchen, speist die Anlage ins Netz ein. Dort ersetzt er fossilen Strom und senkt den CO₂-Ausstoß zusätzlich. 

Dazu kommt ein Effekt, den keine Statistik dem Solarstrom gutschreibt: Strom, der durch das Netz transportiert wird, geht unterwegs teilweise verloren. Selbst über moderne Höchstspannungsleitungen rechnet das Fraunhofer ISE mit rund einem halben Prozent Verlust je 100 Kilometer, bei Hochspannungs-Gleichstromleitungen mit knapp 0,3 Prozent – hinzu kommen die deutlich höheren Verluste in der Verteilung bis zur Steckdose. Mieterstrom legt statt dieser Strecke wenige Meter zurück. Die Transportverluste entfallen praktisch vollständig.

Mehr Wirkung: Mieterstrom mit Wärmepumpe und Speicher

Der Hebel wird größer, wenn Strom und Wärme zusammengedacht werden.

Eine Wärmepumpe erzeugt Wärme nicht, sie holt sie aus der Luft oder dem Erdreich ins Haus. Der Strom treibt dabei nur die Pumpe an. Deshalb kommt mehr Wärme heraus, als Strom hineingeht. Das Fraunhofer ISE hat das in der vierjährigen Feldstudie „WP-QS im Bestand" an 77 Wärmepumpen in Einfamilienhäusern gemessen, deren Baujahre bis 1826 zurückreichen und die teils gar nicht saniert waren. Die Luft-Wasser-Geräte erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4. Das heißt: Aus einer Kilowattstunde Strom werden 3,4 Kilowattstunden Wärme.

Für die Klimabilanz heißt das: Gegenüber einem Gaskessel sparten die Anlagen 2024 rund 64 Prozent der Treibhausgasemissionen ein, gerechnet mit einer viertelstündlich aufgelösten Methode, die berücksichtigt, wie sauber der Strommix zur jeweiligen Tageszeit ist, fasst der Schlussbericht zur Studie zusammen. Je nach Anlage und Wärmequelle liegt die Einsparung zwischen 37 und 70 Prozent.

PV auf dem Dach, Speicher im Keller, Wärmepumpe daneben: Strom wird lokal erzeugt, lokal gespeichert und lokal in Wärme verwandelt. Ohne theoretisch einen einzigen Meter des öffentlichen Netzes zu nutzen.

Fazit: Der Hebel liegt über unseren Köpfen

Der Sommer 2026 hat gezeigt, wohin die Entwicklung geht. Die Emissionsdaten zeigen, dass Deutschland beim Thema Klimaschutz gerade an Tempo verliert. Und die Strommarktdaten zeigen, dass ausgerechnet der sauberste Strom, den wir haben, teilweise abgeregelt wird, weil das Netz an Grenzen stößt.

Mieterstrom löst das Problem an genau der Stelle, an der es entsteht: Er erzeugt Strom dort, wo er gebraucht wird, und verbraucht ihn dort, wo er entsteht. Für den lokalen Solaranteil gilt: Kein Transport, keine Netzentgelte, keine Abregelung, keine Verluste. 

Mieterstrom und generell Solarstrom sind emissionsärmer als fossile Energien oder der deutsche Strommix, das ist belegt. Der wichtigste Vorteil von Mieterstrom liegt aber woanders: Er macht Klimaschutz auch dann wirtschaftlich, wenn er nicht das Hauptmotiv ist. 

Bei reiner Einspeisung lohnt sich heute eine Solaranlage auf einem Mehrfamilienhaus kaum noch. Zumindest aus wirtschaftlicher Sicht. Das hat das IW Köln schon 2024 festgestellt und damals lag die Einspeisevergütung sogar noch höher als heute. Erst der Verkauf des Stroms an die Bewohner macht die Anlage wirtschaftlich. Ohne Mieterstrom bleibt das Dach oft leer. Mit Mieterstrom wird es zum Kraftwerk. 

Für Eigentümer und Vermieter wird aus einer ungenutzten Dachfläche eine Ertragsquelle. Für Mietende heißt Mieterstrom vor allem eines: günstiger. Und für beide gemeinsam gilt die Rechnung von oben. Jede Kilowattstunde vom eigenen Dach ersetzt eine Kilowattstunde mit 344 Gramm CO₂ durch eine mit rund 33. Ohne Verzicht, ohne Verhaltensänderung. 

Gut ein Viertel des deutschen PV-Ausbauziels wartet auf den Dächern von Mehrfamilienhäusern. Es braucht keine neue Technologie. Es braucht Eigentümer, die anfangen. 

Rechnet sich Mieterstrom für dein Gebäude? Sprich mit uns, wir prüfen die Objekte und berechnen das Potenzial."

Häufige Fragen:

Ist Solarstrom wirklich klimafreundlicher als Kohle- oder Netzstrom?

Ja, und zwar deutlich. Solarstrom liegt bei rund 33 Gramm CO₂ je Kilowattstunde, der deutsche Strommix bei 344 Gramm, Braunkohlestrom bei 1.075 Gramm. Solarstrom ist damit rund zehnmal klimafreundlicher als Netzstrom und etwa dreißigmal klimafreundlicher als Braunkohlestrom. Beim Solarwert ist die Herstellung der Anlage bereits eingerechnet.

Verbraucht die Herstellung einer Solaranlage mehr Energie, als sie liefert?

Nein. Nach Berechnungen des Fraunhofer ISE hat eine Anlage in Deutschland die Energie für ihre Herstellung in unter 1,3 Jahren wieder eingespielt. Bei 25 bis 30 Jahren Lebensdauer liefert sie insgesamt mindestens das Elffache dieser Energie zurück.

Gefährdet der Ausbau von Solarstrom die Netzstabilität?

Bisher nicht. Die durchschnittliche Stromunterbrechung je Verbraucher sank 2024 auf 11,7 Minuten, nach 12,8 Minuten im Vorjahr. Das Fraunhofer ISE hält fest, dass sich die Versorgungssicherheit parallel zum Solarausbau sogar verbessert hat. Den Blackout auf der Iberischen Halbinsel führt der ENTSO-E-Abschlussbericht nicht auf erneuerbare Energien zurück, sondern auf Lücken in der Spannungsregelung.

Warum lohnt sich Mieterstrom mehr als reine Einspeisung?

Weil der Strom deutlich mehr wert ist, wenn er im Haus bleibt. Für eingespeisten Strom gibt es nur wenige Cent je Kilowattstunde, der Haushaltsstrompreis liegt 2026 dagegen bei durchschnittlich 37,2 Cent brutto. Das IW Köln kam schon 2024 zu dem Ergebnis, dass reine Einspeisung auf Mehrfamilienhäusern kaum noch Rendite bringt. Erst der Verkauf an die Bewohner macht die Anlage wirtschaftlich.

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