Langlebigkeit von PV-Anlagen: Neue Langzeitstudie zeigt, warum sich Mieterstrom noch mehr lohnt

Veröffentlicht
16.07.2026
Aktualisiert
16.07.2026
Autor
Stefan Keuchel
Photovoltaik Langlebigkeit von PV-Anlagen - PV-Module bei Herstellung

Das Wichtigste in Kürze

  • Größte Degradationsstudie für PV-Anlagen: Analyse von 1,25 Mio. PV-Anlagen mit 16 Jahren Betriebsdaten.
  • Geringere Degradation: Nur 0,52–0,61 % Leistungsverlust pro Jahr statt der oft angenommenen 0,8–1,0 %.
  • Lange PV- Lebensdauer: Rund 90 % Leistung nach 20 Jahren, deutlich über die EEG-Förderung hinaus.
  • Dachanlagen im Vorteil: Sie altern langsamer als große Freiflächenanlagen.
  • Niedrigere Stromkosten: Geringere Degradation senkt die Stromgestehungskosten um rund 4,8 %.
  • Verbesserte Wirtschaftlichkeit: Höhere Stromerträge und längere Laufzeiten verbessern die Rentabilität von Mieterstromprojekten.

Warum die Degradation über die Wirtschaftlichkeit entscheidet

Jede Photovoltaikanlage verliert im Laufe ihres Lebens schleichend an Leistung; dieser Effekt heißt Degradation. Ursachen sind unter anderem die natürliche Alterung der Zellen, Witterungseinflüsse und Verschmutzung. Für die Wirtschaftlichkeitsberechnung einer Photovoltaik-Investition ist die Degradationsrate eine der wichtigsten Stellschrauben: Sie bestimmt, wie viel Strom eine Anlage über 20, 30 oder mehr Jahre tatsächlich produziert.

Gerade bei Mieterstromprojekten, deren Wirtschaftlichkeit über Jahrzehnte kalkuliert wird, summiert sich jeder Zehntelprozentpunkt: Eine zu pessimistisch angesetzte Degradation unterschätzt die reale Strommenge und damit die Erträge aus dem Stromverkauf an die Mieter. Viele konservative Finanzmodelle rechnen bis heute mit einem jährlichen Leistungsverlust von 0,8 bis 1,0 Prozent. Genau diese Annahme stellt eine aktuelle Langzeitstudie nun infrage.

Grafik zur PV Langlebigkeit: Degradation der Leistung von PV Anlagen - Leistungsverlust 46% geringer als bisher angenommen

Die BTU-Studie: über eine Million Anlagen, 16 Jahre Realdaten

In der Studie From shine to decline: Degradation of over 1 million solar photovoltaic systems in Germany, erschienen im Fachjournal Energy Economics, haben Forschende der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) gemeinsam mit dem Imperial College London über einen Zeitraum von 16 Jahren die Betriebsdaten von mehr als 1,25 Millionen PV-Anlagen in Deutschland mit insgesamt 34 Gigawatt installierter Leistung analysiert. Ein Datensatz, der in Umfang, Qualität und Dauer bislang einmalig ist: Frühere Untersuchungen basierten meist auf wenigen tausend Modulen.

Methodisch verglich das Team die tatsächliche Stromproduktion der Anlagen mit theoretischen Sollwerten, die aus der realen Sonneneinstrahlung und den Anlageneigenschaften (Größe, Neigung, Ausrichtung) berechnet wurden. So ließ sich sauber trennen, welcher Leistungsverlust auf die Alterung selbst zurückgeht – und welcher auf Umweltbedingungen.

Die zentralen Ergebnisse: Realität schlägt Theorie

Nur 0,52 bis 0,61 Prozent Leistungsverlust pro Jahr. Das ist das Kernergebnis der Studie und liegt bei etwa der Hälfte dessen, was viele ältere Modelle und konservative Businesspläne ansetzen. Im Durchschnitt beträgt der jährliche Leistungsverlust rund 0,59 Prozent.

Rund 90 Prozent Leistung nach 20 Jahren. Selbst nach zwei Jahrzehnten liefern die Anlagen im Schnitt noch etwa 90 Prozent ihrer ursprünglichen Performance. Das „technische Lebensende“ einer PV-Anlage fällt damit keineswegs mit dem Ende der 20-jährigen EEG-Förderung zusammen – im Gegenteil: Die Anlage produziert danach noch viele Jahre zuverlässig und nahezu kostenlos Strom.

Ältere Anlagen degradieren langsamer. Der Leistungsverlust nimmt mit dem Alter nicht zu, sondern ab: Im zehnten Betriebsjahr liegt die Degradationsrate um 7 bis 13 Prozent niedriger als in den ersten Jahren. Die oft geäußerte Sorge, Anlagen würden zum Ende ihrer Laufzeit „einbrechen“, bestätigt sich in den Daten nicht.

Geringere Alterungskosten für die gesamte Branche. Hochgerechnet bedeuten die Ergebnisse laut den Forschenden, dass die Alterungskosten von Solaranlagen in Deutschland bis 2040 rund 638 Millionen Euro pro Jahr niedriger ausfallen als bisher angenommen.

Grafik PV Langlebigkeit: Degradationsrate der Leistung von Photovoltaik Anlagen nimmt mit dem Alter ab

Hitze, Frost, Luftqualität: Was die Leistung wirklich beeinflusst

Die Studie zeigt außerdem, dass Degradation nicht nur eine Frage des Alters ist. Extreme Hitzetage (über 30 °C), Frosttage und Luftverschmutzung reduzieren die Stromproduktion messbar – Regen hat dagegen kaum Einfluss. Interessant sind die Wechselwirkungen: Hitzestress wirkt sich mit zunehmendem Anlagenalter stärker aus, während die Effekte von Frost und Feinstaub bei älteren Anlagen abnehmen.

Eine positive Nebenerkenntnis: Die verbesserte Luftqualität in Deutschland hat in den vergangenen Jahren zu höheren Energieerträgen der PV-Anlagen beigetragen. Saubere Luft und Solarstrom verstärken sich also gegenseitig.

Kleine Anlagen altern langsamer – gute Nachrichten für Dachanlagen

Ein für Mieterstrom besonders relevantes Ergebnis: Kleinere Anlagen verlieren ihre Leistung langsamer als große, komplexe Systeme. Die Forschenden führen das unter anderem auf höhere Ausfallrisiken zentraler Wechselrichter und die Komplexität großer Anlagen zurück. Aufdachanlagen auf Mehrfamilienhäusern – das typische Format im Mieterstrom – gehören damit zu den Anlagentypen mit der besten Langzeitperformance. Große Freiflächenanlagen lassen sich dagegen nicht einfach als „hochskaliertes Hausdach“ betrachten.

Was das konkret für Mieterstrom bedeutet

Für alle, die Mieterstromprojekte planen, betreiben oder finanzieren, sind die Studienergebnisse ein echter Gamechanger in der Kalkulation:

  • Mehr reale Strommenge über die Laufzeit: Wer statt 0,8 bis 1,0 Prozent nur rund 0,6 Prozent Degradation pro Jahr ansetzt, kommt über 20 bis 30 Jahre auf eine deutlich höhere produzierte Strommenge – und damit auf höhere Erträge aus dem Stromverkauf an die Mieter.
  • Niedrigere Stromgestehungskosten: Die geringere Degradation senkt die Stromgestehungskosten (LCOE) um rund 4,8 Prozent. Solarstrom vom eigenen Dach wird damit noch wettbewerbsfähiger gegenüber dem Netzbezug.
  • Längere wirtschaftliche Laufzeiten: Wenn Anlagen nach 20 Jahren noch rund 90 Prozent liefern, endet die Wirtschaftlichkeit nicht mit der EEG-Förderung. Gerade im Mieterstrom, wo der Strom direkt an die Bewohner verkauft wird, bleibt die abbezahlte Anlage auch danach eine stabile Ertragsquelle.
  • Höhere Substanz- und Immobilienwerte: Die „Substanz“ auf dem Dach ist wertvoller und langlebiger als in vielen Businessplänen angenommen – ein Argument mehr für den Wertbeitrag von PV und Mieterstrom im Bestand.
Grafik zur PV-Langlebigkeit: Säulendiagramm geringere Degradation bedeutet niedrigere Stromgestehungskosten

Kurz gesagt: Mieterstrommodelle werden durch die neuen Erkenntnisse noch attraktiver, weil sie über Jahrzehnte hinweg stabile und günstige Erträge liefern – und zwar weit über die ursprünglichen Kalkulationszeiträume hinaus.

Grafik zur PV-Langlebigkeit, hohe Kosteneinsparung aufgrund geringerer Degradation, positive Grundlage für mehr PV-Investitionen in der Praxis

Mieterstrom auf Basis realistischer Zahlen – mit metergrid

Die beste Datenlage nützt wenig, wenn die Wirtschaftlichkeit eines Projekts nicht sauber gerechnet und der Betrieb nicht professionell umgesetzt wird. Genau hier setzt metergrid an: Mit dem Rendite Radar prüfst du in wenigen Minuten, wie wirtschaftlich Mieterstrom für dein Gebäude ist. Die metergrid Software übernimmt anschließend Abrechnung, Vertragsmanagement und die Visualisierung der Energiedaten. Rechtssicher, digital und skalierbar vom Zweifamilienhaus bis zum Quartier. Wer den laufenden Betrieb vollständig abgeben möchte, ist mit metergrid Plus richtig.

Wir bei metergrid setzen auf die Langlebigkeit der Photovoltaik, um die dezentrale Energiewende in die Städte zu bringen. Wer heute in PV investiert, baut auf eine Technologie, die ihre Zuverlässigkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

Fazit

Die BTU-Langzeitstudie räumt mit veralteten Annahmen zur PV-Degradation auf: Der reale Leistungsverlust liegt mit 0,52 bis 0,61 Prozent pro Jahr nur bei etwa der Hälfte dessen, was viele Finanzmodelle bisher kalkulieren. PV-Anlagen sind langlebiger, zuverlässiger und rentabler als gedacht – und kleine Dachanlagen schneiden dabei besonders gut ab. Für Mieterstromprojekte bedeutet das mehr Strommenge, niedrigere Stromgestehungskosten und wirtschaftliche Laufzeiten weit über die EEG-Förderung hinaus. Wer seine Projekte noch mit Degradationsraten von 0,8 bis 1,0 Prozent rechnet, unterschätzt ihr Potenzial systematisch.

Häufige Fragen:

Was bedeutet Degradation bei PV-Anlagen?

Degradation bezeichnet den schleichenden Leistungsverlust einer Photovoltaikanlage im Laufe ihres Betriebs – verursacht durch die natürliche Alterung der Solarzellen, Witterungseinflüsse wie Hitze und Frost sowie Verschmutzung. Die Degradationsrate gibt an, wie viel Prozent der Ausgangsleistung eine Anlage pro Jahr verliert, und ist eine zentrale Größe in jeder Wirtschaftlichkeitsberechnung.

Wie hoch ist die reale Degradation von PV-Anlagen in Deutschland?

Laut der BTU-Langzeitstudie mit Daten von über 1,25 Millionen Anlagen liegt der jährliche Leistungsverlust bei 0,52 bis 0,61 Prozent – im Durchschnitt rund 0,59 Prozent. Das ist etwa halb so viel wie die 0,8 bis 1,0 Prozent, mit denen viele konservative Finanzmodelle bisher rechnen. Zudem verlangsamt sich die Degradation mit zunehmendem Anlagenalter.

Wie viel Leistung hat eine PV-Anlage nach 20 Jahren noch?

Im Durchschnitt liefern PV-Anlagen nach 20 Betriebsjahren noch rund 90 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung. Das technische Lebensende fällt damit nicht mit dem Ende der EEG-Förderung zusammen – Anlagen produzieren auch danach noch viele Jahre zuverlässig Strom.

Was bedeuten die Studienergebnisse für die Wirtschaftlichkeit von Mieterstrom?

Eine geringere Degradation heißt: mehr produzierte Strommenge über die Laufzeit, rund 4,8 Prozent niedrigere Stromgestehungskosten (LCOE) und wirtschaftliche Erträge weit über den 20-jährigen Förderzeitraum hinaus. Mieterstromprojekte, die mit realistischen Degradationsraten kalkuliert werden, sind damit rentabler, als es viele bestehende Businesspläne ausweisen.

Degradieren kleine Dachanlagen schneller als große Solarparks?

Nein, im Gegenteil: Die Studie zeigt, dass kleinere Anlagen ihre Leistung langsamer verlieren als große, komplexe Systeme – unter anderem wegen höherer Ausfallrisiken zentraler Wechselrichter in Großanlagen. Aufdachanlagen auf Mehrfamilienhäusern, wie sie im Mieterstrom üblich sind, gehören zu den langlebigsten Anlagentypen.

Neugierig geworden?

Starte noch heute dein Mieterstromprojekt!

Jetzt im metergrid Newsletter anmelden

Danke für die Anmeldung! Bitte klicke den Link in der Bestätigungsmail.
Oops! Something went wrong while submitting the form.

Jetzt im metergrid Newsletter anmelden

Danke für die Anmeldung! Bitte klicke den Link in der Bestätigungsmail.
Oops! Something went wrong while submitting the form.