Sommer-PV: Klimaanlage bei Hitzewelle, wie Mieterstrom & GGV die Kühlung im Mehrfamilienhaus versorgen

Das Wichtigste in Kürze
- Deutschland bleibt kein Klimaanlagen-Land: Nur rund 6 % der deutschen Haushalte besitzen eine Klimaanlage, im europäischen Schnitt sind es laut IEA rund 20 %, in den USA und Japan über 90 %. Daran wird sich kurzfristig wenig ändern.
- Aber Deutschland kühlt trotzdem, nur anders: 2025 wurden rund 299.000 neue Wärmepumpen installiert (+55 %), im 1. Quartal 2026 waren Wärmepumpen mit 48,7 % Marktanteil erstmals das meistverkaufte Heizsystem. Die meisten aktuellen Luft-Wasser-Wärmepumpen sind bereits ab Werk kühlfähig.
- Die eigentliche „Klimaanlage" der Deutschen ist also die reversible Wärmepumpe ursprünglich für den Winter installiert, im Sommer aber zunehmend auch zur aktiven Kühlung genutzt.
- Der Clou: Hitzewellen sind Solartage. Wenn Kühlbedarf und PV-Ertrag zeitlich zusammenfallen, kann der Strom vom eigenen Dach die Wärmepumpe im Kühlbetrieb – und wo vorhanden auch klassische Klimageräte, direkt versorgen.
Im Juni 2026 meldete der Deutsche Wetterdienst mit 41,8 Grad einen neuen deutschen Allzeitrekord. Erste wissenschaftliche Schätzungen gehen davon aus, dass die anschließende Hitzewelle in Europa mehr als 20.000 Menschenleben gefordert haben könnte. Ein aktueller DW-Bericht zeigt aber auch: An der Zurückhaltung gegenüber klassischen Klimaanlagen hat das bislang wenig geändert, nur rund 6 % der deutschen Haushalte besitzen ein solches Gerät. Klingt erstmal nach einem Thema, das am deutschen Markt vorbeigeht. Ist es aber nicht ganz. Denn während die klassische Split-Klimaanlage hierzulande Nische bleibt, wächst eine eng verwandte Technologie gerade rasant: die Wärmepumpe. Und die kann im Sommer, reversibel geschaltet genau das, was eine Klimaanlage kann: kühlen. Für Eigentümer von Mehrfamilienhäusern heißt das: Der zusätzliche Sommerstrom fürs Kühlen kommt nicht zwangsläufig aus einem neuen Gerät, sondern aus einer Anlage, die viele Gebäude ohnehin gerade für die Heizungswende bekommen. Mieterstrom und die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV) sind die Modelle, mit denen dieser zusätzliche Strombedarf direkt vom eigenen Dach gedeckt werden kann.
Deutschland und die Klimaanlage: ein Land, das anders kühlt
Der Befund aus dem DW-Bericht ist eindeutig: Nach amtlichen Schätzungen wird in nur rund 6 % der deutschen Haushalte zumindest ein Teil der Wohnfläche mit einer klassischen Klimaanlage gekühlt, deutlich weniger als im EU-Schnitt und ein Bruchteil der Werte in den USA oder Japan. Die Gründe liegen laut Bericht unter anderem in der Bauweise vieler Gebäude, die historisch auf Wärmeerhalt im Winter statt Kühlung im Sommer ausgelegt wurden, in den Anschaffungs- und Betriebskosten sowie in der hohen Mietquote: Rund die Hälfte der Menschen in Deutschland, Dänemark und Österreich wohnt zur Miete und darf oder will oft nicht in eine fest installierte Klimaanlage in einer fremden Immobilie investieren.
Diese Zahlen wird auch der nächste Hitzesommer nicht grundlegend verändern. Realistisch betrachtet bleibt Deutschland auf absehbare Zeit kein Klimaanlagen-Land wie Italien oder Spanien. Und trotzdem verändert sich gerade sehr viel bei der sommerlichen Kühlung deutscher Wohngebäude, nur nicht über die Klimaanlage.
Die heimliche Klimaanlage der Deutschen: die Wärmepumpe
Während der Absatz klassischer Klimageräte in Deutschland überschaubar bleibt, boomt eine andere Technologie: die Wärmepumpe. Laut Bundesverband Wärmepumpe (BWP) wurden 2025 rund 299.000 neue Heizungs-Wärmepumpen installiert, ein Plus von 55 % gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Quartal 2026 legte der Absatz um weitere 34 % zu, mit einem Marktanteil von rund 48,7 % ist die Wärmepumpe damit erstmals das meistverkaufte Heizsystem in Deutschland. Im Neubau ist sie mit einem Anteil von über 69 % längst Standard.

Was viele nicht wissen: Ein großer Teil der aktuell verbauten Luft-Wasser-Wärmepumpen ist bereits reversibel, kann also den Kältekreislauf umkehren und im Sommer aktiv kühlen. Nach Einschätzung von Herstellern sind die meisten heute verkauften Luft/Wasser-Wärmepumpen ab Werk für den Kühlbetrieb vorbereitet, und die Nachfrage nach dieser Kühlfunktion steigt seit einigen Jahren kontinuierlich. Über das bestehende Heizsystem, etwa eine Fußboden- oder Wandheizung wird im Sommer einfach kühles statt warmes Wasser geleitet. Ergänzend zeigen Effizienzvergleiche, dass Wärmepumpen mit Kühlfunktion gegenüber klassischen Klimageräten deutlich sparsamer arbeiten können. Ein weiterer Standortvorteil für die Wärmepumpe: Die Kühlfunktion wird über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) automatisch mitgefördert, wenn die Anlage primär als Heizsystem läuft, separate Klimageräte sind von dieser Förderung ausgeschlossen.
Für Mehrfamilienhäuser ist das relevant, weil hier ohnehin ein riesiger Umrüstungsbedarf besteht: Aktuell verfügen erst rund 4 bis 5 % des deutschen Gebäudebestands über eine Wärmepumpe. Jedes Gebäude, das im Zuge der Heizungswende jetzt auf eine reversible Wärmepumpe umgestellt wird, bekommt also nicht nur ein neues Heizsystem sondern potenziell auch eine Kühlmöglichkeit für die nächste Hitzewelle gleich mit.
Der Mieter-Engpass: Wer bezahlt den Strom für die Kühlung?
Ob klassische Klimaanlage oder Wärmepumpe im Kühlbetrieb: Beides zieht zusätzlichen Strom, gerade an Tropentagen mit mehreren Betriebsstunden. Bezieht ein Mieter diesen Strom regulär vom Grundversorger, verursacht die zusätzliche Kühllast in der Spitze genau die Netzengpässe und Preisspitzen, vor denen Marktbeobachter seit dem Hitzesommer 2026 warnen: Im Juni 2026 sorgten hohe Temperaturen, steigende Kühlnachfrage und schwacher Windstrom laut Marktanalysen für neue Rekorde bei den Viertelstundenpreisen an der Strombörse, auch in Deutschland.
Für Eigentümer und Wohnungsunternehmen entsteht daraus eine doppelte Chance: Wer schon eine PV-Anlage auf dem Dach hat oder gerade im Zuge der Heizungswende eine Wärmepumpe plant, kann den steigenden Sommerstrombedarf seiner Mieter nicht nur decken, sondern ihn gezielt für den Eigenverbrauch der eigenen Solaranlage nutzen. Das ist der Punkt, an dem Mieterstrom und GGV ins Spiel kommen.
Mieterstrom: Solarstrom direkt für Heizung und Kühlung im Haus
Beim Mieterstrommodell liefert der Eigentümer oder Betreiber der PV-Anlage den auf dem Dach erzeugten Solarstrom direkt an die Bewohner des Gebäudes, ohne Umweg über das öffentliche Netz. Für eine Wärmepumpe im Kühlbetrieb oder eine ergänzende Klimaanlage ist das ideal: Der Mieter bezieht den kompletten Strom, inklusive Reststrom, über einen einzigen Vertrag zu einem Preis, der maximal 90 % des lokalen Grundversorgertarifs betragen darf. Die höhere Sommerlast wird einfach mitgeliefert, zu einem großen Teil aus lokal erzeugtem Solarstrom.
Diese Kombination ist bei metergrid längst gelebte Praxis: In zahlreichen Mieterstromprojekten übernimmt die PV-Anlage bereits heute die Versorgung der integrierten Wärmepumpe, etwa in einem Ferienwohnungsprojekt in Sankt Peter-Ording, wo eine 10,12-kWp-PV-Anlage gemeinsam mit einem 17,5-kWh-Speicher genau dafür sorgt. Der Wechsel dieser Wärmepumpen in den sommerlichen Kühlbetrieb ist technisch der nächste, naheliegende Schritt für dieselbe Infrastruktur. Für den Anlagenbetreiber lohnt sich das zusätzlich: Für jede Kilowattstunde, die direkt an Mieter geliefert wird, gibt es den staatlichen Mieterstromzuschlag nach § 21 Abs. 3 EEG, aktuell je nach Anlagengröße rund 1,6 bis 2,6 Cent pro Kilowattstunde, mit einer leichten halbjährlichen Degression. Da mehr Eigenverbrauch, etwa durch Kühlbetrieb an heißen Tagen automatisch mehr geförderte Kilowattstunden bedeutet, verbessert eine steigende Sommerlast im Haus tendenziell sogar die Wirtschaftlichkeit des Mieterstromprojekts.
Der Preis für diese Vorteile: Als Vollversorger übernimmt der Betreiber die vollständigen Lieferantenpflichten nach dem Energiewirtschaftsgesetz, inklusive Abrechnung, Vertragsmanagement und regulatorischer Compliance. Genau das ist der Aufwand, den digitale Lösungen wie die metergrid-Plattform automatisieren.

GGV: die schlanke Alternative für den Kühl-Sommer
Nicht jeder Eigentümer möchte oder kann die Rolle des Vollversorgers übernehmen. Für diese Fälle wurde mit dem Solarpaket I die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GGV) eingeführt. Auch hier wird der PV-Strom vom Dach innerhalb des Gebäudes verteilt, der Betreiber liefert aber ausschließlich den Solaranteil und übernimmt keine Vollversorgungspflichten. Die Mieter beziehen ihren Reststrom weiterhin über ihren eigenen, frei gewählten Stromvertrag. Für die sommerliche Kühlung bedeutet das: Die GGV eignet sich besonders für Gebäude, in denen ein zusätzlicher, ergänzender Solaranteil zur bestehenden Stromversorgung ausreichen soll etwa, wenn Eigentümer den Eigenverbrauch der PV-Anlage steigern wollen, ohne selbst zum Energieversorger zu werden. Der administrative Aufwand ist geringer, da weder eine vollständige Energieabrechnung nach EnWG noch die Übernahme der Lieferantenpflichten notwendig ist.
Dem stehen zwei Nachteile gegenüber: Es gibt keinen Mieterstromzuschlag, und die messtechnischen Anforderungen sind in der Praxis oft komplexer als beim etablierten Mieterstrommodell, die viertelstundengenaue Erfassung von Erzeugung und Verbrauch jedes einzelnen Haushalts erfordert eine Infrastruktur, die noch nicht bei allen Netzbetreibern flächendeckend verfügbar ist.
Welches Modell passt, hängt letztlich vom Gebäude, der Heizungssituation und der Bereitschaft des Eigentümers ab, Vollversorger zu werden. In der Praxis zeigt sich: Mieterstrom bleibt 2026 das wirtschaftlich robustere und am weitesten erprobte Modell, während die GGV vor allem dort attraktiv ist, wo geringerer Verwaltungsaufwand wichtiger ist als maximale Rendite. Buche dir gerne einen Beratungstermin, um herauszufinden, welches Modell am besten für dein Projekt ist.
Der Knackpunkt Abend: Warum Speicher jetzt wichtiger werden
So gut die Rechnung tagsüber aufgeht, so ehrlich muss man beim zweiten Blick sein: Kühlbedarf, ob über Klimagerät oder Wärmepumpe, endet nicht mit dem Sonnenuntergang. Gerade an schwülen Abenden, wenn die Wohnung nach einem Hitzetag noch aufgeheizt ist, steigt der Kühlbedarf oft erst nach Sonnenuntergang spürbar an, wenn die PV-Anlage längst keinen Strom mehr liefert. Die Strommarktdaten aus dem Rekordsommer 2026 bestätigen dieses Muster: Nach Analysen von Strommarktbeobachtern entstanden die höchsten Preisspitzen der Hitzewelle nicht mittags, sondern in den Abendstunden genau dann, wenn die Solareinstrahlung nachlässt und gleichzeitig kaum Windstrom zur Verfügung steht.
Genau deshalb gewinnen Batteriespeicher in Mieterstrom- und GGV-Projekten an Bedeutung. Sie verschieben den mittags erzeugten Solarüberschuss in die Abendstunden also genau dorthin, wo Wärmepumpe oder Klimagerät ihn am meisten brauchen. Schon heute ist in rund der Hälfte aller Mieterstromprojekte, die metergrid begleitet, ein Batteriespeicher fest eingeplant. Das hat neben dem Kühlkomfort noch einen weiteren Effekt: Da lokal erzeugter und selbst verbrauchter Strom nicht ins öffentliche Netz eingespeist wird, sind Mieterstromanlagen von zentralen Regelungen des Solarspitzengesetzes, etwa dem Wegfall der Einspeisevergütung bei negativen Börsenstrompreisen oder der 60-%-Einspeisebegrenzung kaum betroffen. Mehr Eigenverbrauch durch Wärmepumpen-Kühlung, Klimageräte und Speicher schützt also nicht nur vor Hitze, sondern auch vor Erlösausfällen der PV-Anlage.

Was das für Eigentümer und Bewohner bedeutet
Für Vermieter und Wohnungsunternehmen ergibt sich daraus ein Argument, das über die reine Energiebilanz hinausgeht. Wer ohnehin im Zuge der Heizungswende eine Wärmepumpe plant, sollte PV-Anlage, Mieterstrom- oder GGV-Modell und Speicher von Anfang an so dimensionieren, dass sie nicht nur die Winterheizung, sondern auch den sommerlichen Kühlbetrieb mitdenken. Der Mehraufwand dafür ist überschaubar, der Zusatznutzen für die Bewohner bei Hitzewellen wie 2026 dagegen erheblich, und angesichts von Rekordsommern wird Kühlkomfort für Mietinteressenten zunehmend zu einem Ausstattungsmerkmal.
Gleichzeitig bleibt das ungenutzte Potenzial riesig: Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) liegt die Photovoltaik-Abdeckung auf deutschen Mehrfamilienhäusern bislang bei nur rund 0,5 %. Die Dächer, auf denen künftig Solarstrom für Heizung im Winter und Kühlung im Sommer erzeugt werden könnte, sind also größtenteils noch leer.
Das sagen wir von metergrid
Wir sehen die klassische Klimaanlage nicht als das Thema, das den deutschen Mieterstrommarkt treibt, dafür ist und bleibt sie hierzulande zu sehr Nische. Der eigentliche Hebel liegt woanders: in den hunderttausenden Wärmepumpen, die gerade ohnehin in deutschen Gebäuden verbaut werden, und die im Sommer immer häufiger auch kühlen können. Genau hier docken Mieterstrom und GGV an. Mieterstrom bietet dafür heute die wirtschaftlich verlässlichste Grundlage, weil Solar- und Reststrom aus einer Hand kommen und zusätzlicher Sommerverbrauch die Rendite des Projekts sogar stützen kann. Die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung ist die richtige Wahl, wenn Eigentümer schlanker einsteigen wollen und keine Vollversorgung anstreben. Und dort, wo der Kühlbedarf bis in den Abend reicht, ist ein Batteriespeicher inzwischen fast Standard statt Kür. Mit unserer Plattform bilden wir alle Bausteine – Mieterstrom, GGV, Wärmepumpen-Integration und Speicher, ab und begleiten Eigentümer von der ersten Wirtschaftlichkeitsprüfung bis zur laufenden Abrechnung.
Häufige Fragen:
Lohnt sich Mieterstrom auch für Gebäude ohne klassische Klimaanlage?
Ja. Der entscheidende Treiber für steigenden Sommerstrombedarf in deutschen Mehrfamilienhäusern ist nicht das klassische Klimagerät, sondern die reversible Wärmepumpe. Wird sie im Sommer zur aktiven Kühlung genutzt, profitiert sie genauso von lokal erzeugtem Solarstrom über Mieterstrom oder GGV wie im Winter beim Heizen.
Können bestehende Wärmepumpen in Mieterstromprojekten nachträglich zur Kühlung genutzt werden?
Bei vielen reversiblen Luft-Wasser-Wärmepumpen lässt sich die Kühlfunktion nachrüsten oder ist bereits werkseitig vorhanden, muss aber teils manuell oder über die Steuerung aktiviert werden. Ob das im Einzelfall möglich ist, hängt vom Modell und vom vorhandenen Wärmeverteilsystem (z. B. Fußbodenheizung) ab.
Lohnt sich ein Batteriespeicher speziell wegen der sommerlichen Kühlung?
Ja, gerade weil Kühlbedarf oft erst am Abend seinen Höhepunkt erreicht, wenn die PV-Erzeugung bereits nachlässt. Ein Speicher verschiebt den mittags erzeugten Solarstrom in die Abendstunden und erhöht so den Eigenverbrauch – ein Effekt, der sich in Hitzesommern besonders auszahlt.
Ist GGV oder Mieterstrom die bessere Wahl, wenn ich vor allem den sommerlichen Mehrbedarf meiner Mieter decken möchte?
Das hängt vom Ziel ab: Wer eine vollständige, wirtschaftlich optimierte Stromversorgung inklusive Förderung anbieten möchte, ist mit Mieterstrom besser beraten. Wer nur einen zusätzlichen Solaranteil beisteuern will, ohne Vollversorger zu werden, findet in der GGV die schlankere Lösung.
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